Lavendel vermehren wie ein Profi: Der ultimative Guide für unendlich viele Gratis-Pflanzen

Träumen Sie von einem dichten, violetten Blütenmeer in Ihrem Garten, das intensiv duftet und unzählige Bienen anlockt?
Sie müssen kein halbes Vermögen in einer teuren Gärtnerei ausgeben, um sich diesen Traum zu erfüllen. Lavendel vermehren Sie mit der richtigen Technik ganz einfach selbst auf der eigenen Terrasse. Mit ein paar gezielten Handgriffen machen Sie aus einer einzigen gesunden Pflanze schnell ein ganzes Beet voller duftender Sträucher.
Entdecken Sie jetzt die besten und erfolgversprechendsten Methoden für Ihre private Pflanzenzucht.
Wer echten Lavendel züchten möchte, steht oft vor der Frage nach der besten Methode. Viele Hobbygärtner trauen sich nicht an die eigene Nachzucht heran. Die Angst vor faulenden Trieben oder missglückten Versuchen hält sie davon ab. Dabei verzeiht diese robuste mediterrane Pflanze erstaunlich viele Anfängerfehler.
Sie benötigen lediglich etwas Geduld, scharfes Werkzeug und das richtige Timing.
Wenn Sie Lavendelpflanze vermehren, profitieren Sie von einem gigantischen Vorteil. Sie erschaffen exakte genetische Kopien Ihrer liebsten Mutterpflanze. So behalten Sie genau die intensiv leuchtende Blütenfarbe und die kompakte Wuchsform, die Sie an Ihrem bisherigen Strauch so lieben. Kaufen Sie Samen im Baumarkt, wissen Sie vorher nie genau, wie die ausgewachsene Pflanze am Ende blüht.
Die Königsdisziplin: Lavendel Stecklinge ziehen
Die absolut beste und schnellste Methode für Hobbygärtner ist die Stecklingsvermehrung. Hierbei schneiden Sie kleine, junge Triebe ab und bringen diese dazu, im feuchten Boden eigene Wurzeln zu bilden. Experten nennen diese speziellen Pflanzenteile Kopfstecklinge. Dieser Prozess gelingt am zuverlässigsten an einem milden, bewölkten Tag im Frühjahr. Alternativ nutzen Sie die kühleren Tage im Spätsommer für Ihr Vorhaben.

Greifen Sie an Ihrem gewählten Tag zu einer extrem scharfen und vorher desinfizierten Gartenschere. Suchen Sie an Ihrem Strauch nach jungen, saftig grünen Zweigen. Diese Triebe dürfen noch keine Blütenansätze oder offene Knospen tragen.
Schneiden Sie diese Triebe auf eine Länge von etwa zehn bis fünfzehn Zentimetern beherzt ab.
Achten Sie streng darauf, nicht in das alte, stark verholzte Material der Pflanze zu schneiden. Komplett verholzte Äste wurzeln extrem schlecht an und rauben Ihnen nur wertvolle Zeit. Suchen Sie gezielt nach den weichen, biegsamen Spitzen der Pflanze.
Diese stecken voller Wachstumshormone und bilden am schnellsten ein neues Wurzelwerk.
Unser Tipp: Ziehen Sie den anvisierten Steckling mit einem leichten, aber bestimmten Ruck nach unten vom Hauptast ab, anstatt ihn abzuschneiden. So reißen Sie eine kleine Rindenzunge mit ab, an der sich später durch die vergrößerte Wundfläche besonders schnell neue Wurzeln bilden.
Die perfekte Vorbereitung der frischen Triebe
Nachdem Sie Ihre Stecklinge schneiden konnten, bereiten Sie diese umgehend für das Einpflanzen vor. Lassen Sie die abgetrennten Zweige niemals lange in der prallen Sonne liegen.
Streifen Sie die Blätter im unteren Drittel des Stängels mit Daumen und Zeigefinger vorsichtig ab. Dieser entblätterte Bereich verschwindet später komplett in der Erde.
Lassen Sie unbedingt Verletzungen an der Rinde vermeiden. Nutzen Sie notfalls ein kleines, scharfes Messer, falls sich die Blätter nicht leicht abstreifen lassen.
Schneiden Sie den Stängel ganz unten direkt unterhalb eines Blattansatzes noch einmal gerade ab. Genau an diesen unsichtbaren Knotenpunkten der Pflanze entstehen später die neuen Wurzelzellen.
Tauchen Sie das freigelegte, feuchte Ende jetzt optional in ein spezielles Bewurzelungspulver aus dem Fachhandel. Dieses feine Pulver enthält pflanzliche Hormone und beschleunigt den Prozess der Wurzelbildung enorm. Klopfen Sie überschüssiges Pulver leicht am Rand der Dose ab. Eine hauchdünne Schicht reicht völlig aus.
| Arbeitsschritt | Benötigtes Material | Dauer |
|---|---|---|
| Triebe auswählen | Scharfe, saubere Gartenschere | 5 Minuten |
| Zweige entblättern | Finger oder scharfes Messer | 3 Minuten |
| Wunde behandeln | Bewurzelungspulver (optional) | 1 Minute |
Das ideale Substrat für mediterrane Pflanzen
Mediterrane Pflanzen vermehren Sie niemals in handelsüblicher, stark gedüngter Blumenerde. Lavendel (Lavandula angustifolia) sowie der beliebte Schopflavendel benötigen zwingend magere, durchlässige Bedingungen. Füllen Sie kleine, saubere Plastik- oder Tontöpfe mit einer speziellen, torffreien Anzuchterde. Normale Erde verbrennt mit ihren vielen Nährstoffen die feinen, neu entstehenden Wurzeln sofort.
Mischen Sie großzügig feinen Quarzsand oder feinkörnigen Kies unter dieses Substrat. Streben Sie ein Mischungsverhältnis von etwa zwei Teilen Erde und einem Teil Sand an. Diese lockere Drainageschicht verhindert tödliche Staunässe in den Töpfen.
Nasse, kalte Füße lassen junge Lavendelwurzeln innerhalb weniger Tage unwiderruflich verfaulen.

Drücken Sie mit einem Holzstäbchen oder einem Bleistift kleine Löcher in die vorbereitete Erde. Stecken Sie die entblätterten Zweige tief in diese Löcher hinein. Der unterste, verbliebene Blattansatz muss knapp über der Erdoberfläche sichtbar bleiben.
Drücken Sie die Erde ringsum mit den Fingern sanft aber bestimmt fest. Gießen Sie das Substrat abschließend mit zimmerwarmem, kalkarmem Gießwasser an.
Treibhausklima erschaffen und pflegen
Ihre frisch gesteckten Pflanzen brauchen in den kommenden Wochen eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit und angenehme Wärme. Stellen Sie jeden Anzuchttopf an einen hellen Ort in Ihrem Garten. Meiden Sie jedoch direkte, pralle Mittagssonne, da diese die Triebe sofort verbrennt. Stülpen Sie ein sauberes, transparentes Einmachglas über den Topf.
Alternativ nutzen Sie ein kleines, handelsübliches Mini-Gewächshaus mit durchsichtigem Plastikdeckel. So erschaffen Sie ein perfektes, in sich geschlossenes Treibhausklima.
Diese Konstruktion bewahrt die restlichen Nadeln der Pflanze vor dem tödlichen Vertrocknen. Die Pflanze kann über die Blätter vorerst kein Wasser mehr aus dem Boden ziehen und ist auf die Luftfeuchtigkeit angewiesen.
Kontrollieren Sie das Innere Ihrer Gläser oder des Gewächshauses jeden einzelnen Tag. Beschlagen die Wände stark mit dicken Wassertropfen, lüften Sie die Konstruktion für mindestens eine Stunde.
Nehmen Sie die Deckel ab und lassen Sie frische Luft an die Pflanzen. Halten Sie die Erde in den nächsten vier bis sechs Wochen konstant leicht feucht. Gießen Sie extrem sparsam und schütten Sie überschüssiges Wasser aus dem Untersetzer sofort restlos weg.
Sobald Sie an der Spitze des Triebes frische, hellgrüne Blätter entdecken, haben Sie gewonnen. Die Pflanze hat erfolgreich Wurzeln gebildet und beginnt nun aus eigener Kraft zu wachsen. Entfernen Sie das Einmachglas ab diesem Zeitpunkt dauerhaft. Gewöhnen Sie die kleinen Sträucher langsam an die normale, trockenere Umgebungsluft.
Lavendel Ableger machen: Die clevere Alternative
Vielleicht möchten Sie Lavendel vermehren, ohne Triebe komplett mit der Schere abzuschneiden. Nutzen Sie in diesem Fall die geniale Absenker-Methode. Suchen Sie einen extrem langen, biegsamen Ast am äußeren Rand Ihres großen Strauches.
Biegen Sie diesen Trieb ganz vorsichtig bis auf den Gartenboden herunter. Achten Sie darauf, den Ast bei dieser Aktion nicht versehentlich abzubrechen.
Graben Sie an der Stelle, wo der Ast den Boden berührt, eine winzige, flache Rinne in die Erde.
Legen Sie den mittleren Teil des Astes genau in diese Kuhle. Bedecken Sie den Trieb an dieser Stelle etwa drei Zentimeter hoch mit lockerer Gartenerde. Beschweren Sie diesen kleinen Erdhügel mit einem schweren Stein oder fixieren Sie den Ast mit einem gebogenen Stück Draht im Boden.
Die Spitze des Astes muss unbedingt weiterhin aus der Erde herausschauen und nach oben wachsen. Im Lauf der nächsten Monate wachsen aus dem vergrabenen Astabschnitt völlig automatisch neue Wurzeln in den Boden.
Trennen Sie den Ast erst im darauffolgenden Frühjahr von der großen Mutterpflanze ab. Graben Sie den neu entstandenen Wurzelballen vorsichtig aus und setzen Sie ihn an seinen neuen Bestimmungsort.
| Vermehrungsmethode | Schwierigkeitsgrad | Dauer bis zur ersten Blüte |
|---|---|---|
| Stecklinge ziehen | Leicht | 1 Jahr |
| Absenker machen | Sehr leicht | 1 Jahr |
| Alte Pflanze teilen | Mittel | Im selben Jahr |
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Große Sträucher erfolgreich teilen
Besitzen Sie einen sehr alten, ausladenden Strauch, können Sie diesen großen Lavendel teilen. Diese Methode liefert Ihnen sofort fertige, große Pflanzen für Ihren Garten. Warten Sie für diesen drastischen Eingriff zwingend auf einen trockenen, kühlen Herbsttag. Graben Sie die komplette Pflanze samt dem großen Wurzelballen mit einem Spaten großzügig aus.
Legen Sie die Pflanze auf den Rasen und betrachten Sie die Wuchsrichtung der Hauptwurzeln. Zerteilen Sie den Wurzelballen mit einem extrem scharfen, sauberen Spaten oder einer alten Säge. Schneiden Sie den Busch exakt in der Mitte durch, sodass zwei annähernd gleich große Stücke entstehen. Entfernen Sie bei dieser Gelegenheit sofort alle abgestorbenen, fauligen oder beschädigten Wurzelteile mit der Schere.
Setzen Sie diese beiden Teilstücke sofort an neuen, sonnigen Standorten in Ihrem Garten wieder ein. Geben Sie beim Einpflanzen ein wenig organischen Gartenkalk direkt ins Pflanzloch. Lavendel liebt kalkhaltige Böden und belohnt diese Nährstoffgabe mit extrem kräftigem Wachstum. Gießen Sie die geteilten Sträucher in den ersten zwei Wochen intensiv, damit die zerschnittenen Wurzeln schnell wieder Anschluss an das Erdreich finden.
Unser Tipp: Wenden Sie die brachiale Teilungsmethode ausschließlich bei jüngeren oder mittelalten Sträuchern an. Sehr alte, im Zentrum stark verholzte Lavendelbüsche überleben diesen massiven Eingriff oft nicht und sterben aufgrund der riesigen Wundflächen komplett ab.
Lavendel aus Samen ziehen: Ein Projekt für Geduldige
Wer hunderte Pflanzen auf einen Schlag für eine lange Hecke benötigt, greift am besten zur klassischen Aussaat. Diese Methode erfordert allerdings weitaus mehr Geduld und Vorbereitung als das Schneiden von Stecklingen.
Lavendelsamen benötigen als sogenannte Kaltkeimer einen künstlichen Winter, um überhaupt zu keimen. Legen Sie die Samentütchen vor der geplanten Aussaat für exakt zwei Wochen in das Gemüsefach Ihres Kühlschranks.
Füllen Sie flache Saatschalen mit einer feinen, nährstoffarmen Anzuchterde. Streuen Sie die winzigen Samen nach der Kältebehandlung gleichmäßig auf die feuchte Erde. Lavendel gehört zu den Lichtkeimern. Bedecken Sie die Samen daher niemals mit Erde, sondern drücken Sie diese nur mit einem flachen Brettchen hauchdünn an.
Decken Sie das gesamte Gefäß mit einer transparenten Folie ab.
Stellen Sie die Schale an einen hellen Ort mit Temperaturen um die zwanzig Grad Celsius. Rechnen Sie bei dieser Methode mit einer langen Wartezeit von bis zu vier Wochen. Halten Sie die Erde in dieser Zeit mit einer feinen Sprühflasche konstant nebelfeucht. Gießen Sie niemals mit einer großen Gießkanne, da der harte Wasserstrahl die feinen Samen sofort aus der Erde spült.
Sobald sich die ersten winzigen Keimblätter zeigen, entfernen Sie die Plastikfolie umgehend. Warten Sie, bis die kleinen Pflänzchen eine Höhe von etwa vier Zentimetern erreicht haben. Hebeln Sie die Sämlinge dann vorsichtig mit einem Pikierstab aus der gemeinsamen Schale. Pflanzen Sie jedes Pflänzchen in einen eigenen, kleinen Topf mit lockerer Erde.
Auspflanzen und die richtige Winterhärte
Haben Sie im Spätsommer Ihre Stecklinge geschnitten, überwintern Sie diese jungen Pflanzen unbedingt geschützt. Junge Lavendel verfügen im ersten Jahr noch nicht über eine ausreichende Winterhärte für frostige Nächte. Stellen Sie die Töpfe hell und frostfrei in einen kühlen Flur oder einen hellen Kellerraum. Setzen Sie diese jungen Sträucher erst im darauffolgenden Frühjahr direkt in Ihr Gartenbeet.
Frühjahrsstecklinge pflanzen Sie dagegen problemlos schon im Frühsommer des gleichen Jahres an ihren finalen Platz. Warten Sie mit dem Auspflanzen in jedem Fall die kalten Eisheiligen Mitte Mai ab. So riskieren Sie keine tödlichen Frostschäden an den noch zarten, empfindlichen Gewächsen. Suchen Sie sich einen vollsonnigen Platz mit extrem durchlässigem Boden aus.
Halten Sie beim Einpflanzen einen großzügigen Pflanzabstand von mindestens vierzig Zentimetern zwischen den einzelnen Gewächsen ein. Lavendel breitet sich stark aus und benötigt viel Zirkulation. Stehen die Büsche zu dicht aneinander, trocknet der Morgentau nicht schnell genug ab. Das feuchte Mikroklima begünstigt dann schädliche Pilzkrankheiten an den Nadeln.
| Pflege-Schritt | Zeitpunkt | Wichtigster Faktor |
|---|---|---|
| Auspflanzen ins Beet | Mitte Mai (nach Frost) | Vollsonniger Standort |
| Erster Rückschnitt | Frühjahr (März/April) | Nicht ins alte Holz schneiden |
| Zweiter Formschnitt | Spätsommer (nach Blüte) | Blütenstiele komplett kappen |
Den perfekten Formschnitt anwenden
Pflegen Sie Ihre neu gewonnenen Pflanzen ab dem ersten Tag richtig im Garten. Führen Sie zwingend zweimal jährlich einen beherzten Rückschnitt durch. Wenn Sie Lavendel schneiden und vermehren, sichern Sie die Langlebigkeit Ihrer Sträucher. Verzichten Sie auf den Schnitt, verkahlen die Pflanzen von unten her extrem schnell. Sie bilden dann lange, kahle und unansehnliche Holztriebe, die an den Spitzen nur noch spärlich blühen.
Schneiden Sie den Lavendel im zeitigen Frühjahr direkt vor dem ersten Neuaustrieb radikal zurück. Kappen Sie dabei mutig etwa ein Drittel der gesamten Pflanzenhöhe.
Achten Sie aber auch hier darauf, immer einige grüne Nadeln an den Zweigen stehen zu lassen. Schneiden Sie ein weiteres Mal im späten Sommer direkt nach dem Verblühen der letzten lila Blütenstände.
Kappen Sie bei diesem sommerlichen Formschnitt lediglich die langen Blütenstiele und wenige Zentimeter der grünen Spitzen. So garantieren Sie über Jahrzehnte hinweg eine extrem dichte, kompakte und wunderschöne halbkugelige Form. Genießen Sie den Anblick Ihrer selbstgezogenen Pflanzen jeden Tag aufs Neue. Erfreuen Sie sich an den zahlreichen Schmetterlingen und der mediterranen Urlaubsatmosphäre direkt vor Ihrer eigenen Haustür.

Über den Autor
Markus Weber
Markus ist leidenschaftlicher Hobbygärtner und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit nachhaltiger Gartengestaltung. Er teilt praktische Tipps zu Pflanzenauswahl, Hochbeeten und naturnahem Gärtnern.

